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Zu viele Kinderlebensmittel sind ungesund

foodwatch-Studie

Zu viele Kinderlebensmittel sind ungesund

Die Verbraucherorganisation foodwatch zieht Bilanz: Fast alle Joghurts enthalten beispielsweise immer noch mehr Zucker, als die WHO empfiehlt.

Copyright © Oksana Kuzmina - stock.adobe.com

Kinder sind eine beliebte Zielgruppe für die Lebensmittelindustrie. Doch gut für die (Mund-)Gesundheit sind die meisten Produkte nicht. Denn mehr als 85 Prozent der Kinderlebensmittel sind ungesund. Das bestätigte nun eine foodwatch-Studie.

Im Kindesalter erlernte Ernährungsmuster werden oft im Erwachsenenalter beibehalten. Oft dürfen auch schon junge Kinder mitentscheiden, was beim Einkauf im Wagen landet. Aus diesem Grund richten viele Lebensmittelhersteller ihre Produkte und das Marketing entsprechend auf diese Zielgruppe aus. Gesund sind die Produkte aber zum Großteil nicht.

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Kindermarketing für unausgewogene Produkte

Für ihre Studie untersuchte die Verbraucherorganisation foodwatch insgesamt 283 Lebensmittel, die sich durch ihre Verpackung, Form, Werbung o.ä. speziell an Kinder richten. Mithilfe der Nährwert-Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) glichen sie die Nährwertzusammensetzung der Produkte ab. Dabei spielen die Anteile von Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz, aber auch der Kaloriengehalt, Zuckerzusätze und zugefügte Süßstoffe eine Rolle. Laut WHO sollten nur die Lebensmittel an Kinder beworben werden, die den Empfehlungen entsprechen.

Das erschreckende Ergebnis: 85,5 Prozent der untersuchten Kinderlebensmittel erfüllen diese Empfehlungen nicht und sind ungesund. Nur 41 der 283 analysierten Produkte enthalten nicht zu viel Zucker, Fett oder Salz. „Zehn der sechzehn Unternehmen machen ausschließlich Kindermarketing für unausgewogene Produkte, darunter Ferrero, Pepsico, Mars, Unilever und  Coca-Cola. Die größte Anzahl an unausgewogenen Produkten bewerben Nestlé (44 Produkte), Kelloggs (24 Produkte) und Ferrero (23 Produkte)“, heißt es in der Studie.

Trotz EU Pledge sind fast alle Kinderlebensmittel ungesund

Eine Besserung scheint auch nicht in Sicht zu sein. Denn bereits 2015 führte foodwatch diese Studie für Kinderlebensmittel durch. Galten 2015 noch 89,7 Prozent der Kinderlebensmittel als ungesund und nicht empfehlenswert, sind es jetzt immer noch 85,5 Prozent.

Die Strategie der Bundesregierung sieht bisher jedoch nur eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen zur Zuckerreduktion vor. So haben sich Unternehmen neben dem EU Pledge in Deutschland dazu verpflichtet, Zucker, Fett und Salz in ihren Lebensmitteln zu reduzieren. foodwatch zufolge zeigt diese Strategie jedoch kaum Auswirkungen. Schon früher forderte die Verbraucherorganisation eine Zuckersteuer nach britischem Vorbild.

Gesetzliche Beschränkung gefordert

„Die künftige Bundesregierung muss eine Kehrtwende vollziehen und darf beim Kindermarketing nicht weiter auf Selbstverpflichtungen vertrauen. Die gesetzliche Beschränkung der an Kinder gerichteten Werbung für unausgewogene Produkte muss im Koalitionsvertrag verankert werden!“, urteilt foodwatch.

Neben foodwatch setzen sich auch zahlreiche Fachgesellschaften wie die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), die Stiftung Kindergesundheit und die WHO für solche Werbebeschränkungen ein und fordern, diese im Koalitionsvertrag zu verankern. Auch die Bundeszahnärztekammer spricht sich dafür aus.

 

Quelle: foodwatch



Online-Redakteurin im Deutschen Ärzteverlag. Schreibt für die zahnmedizinischen Webportale und Social-Media-Kanäle.

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