Corona-Maßnahmen

Selbstschutz ist am wichtigsten

Das Händewaschen ist eine der Corona-Maßnahmen, die gut umgesetzt wird.

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Die Maßnahmen gegen eine Corona-Ansteckung sind stark diskutiert. Um andere und sich selbst zu schützen, sind sie jedoch notwendig. Eine Studie der Universität Bamberg hat nun untersucht, was uns alle dazu bewegt, die Maßnahmen auch wirklich umzusetzen.

Manchen Maßnahmen zum Schutz gegen Corona können wir gar nicht ausweichen. Wer in den Supermarkt ohne Mund-Nasen-Schutz gehen möchte, erhält nicht nur am Eingang einen Hinweis darauf, sondern wird auch schnell von einem Supermarktmitarbeiter oder anderen Einkaufenden angesprochen. Doch neben dem Mund-Nasen-Schutz gibt es weitere Maßnahmen, wie die Abstandsregeln, Kontaktbeschränkungen und natürlich, sich regelmäßig die Hände zu waschen und zu desinfizieren. Doch was bewegt uns dazu, diese Regeln einzuhalten? Das hat eine Gruppe von Psychologen um Dr. Johannes Leder der Universität Bamberg mithilfe von zwei Online-Befragungen untersucht.

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Die Fragestellung lautetet: Wie beeinflussen die wahrgenommene Schutzwirkung für uns selbst und für andere die Umsetzung der Corona-Maßnahmen? Auch der Aufwand und der Konflikt zwischen Selbst- und Fremdschutz wurden untersucht. Die Online-Befragungen hierzu führten die Wissenschaftler einmal im März während des Lockdowns durch (419 Teilnehmer) und ein zweites Mal im Mai und Juni 2020 nach dem Lockdown (253 Teilnehmer). Zu 17 Schutzmaßnahmen fragten die Wissenschaftler die Teilnehmer, wie sie diese wahrnehmen und nutzen. Außerdem fragten sie nach, wie kooperativ die Personen sind und wie sehr der eigene Vorteil die Entscheidung für oder gegen eine Maßnahme beeinflusst.

Selbstschutz ist am wichtigsten

Insgesamt zeigten die Befragungen, dass 92 Prozent der Teilnehmer prosozial sind. Das bedeutet, dass man mit den Mitmenschen kooperiert und eine faire Lösung finden möchte. Gerade zu Beginn des Lockdowns hielten sich die meisten von uns an die Maßnahmen zum Schutz vor Corona. Doch nach der Aufhebung des Lockdowns sah es anders aus. Fast alle Maßnahmen wurden weniger genutzt und auch die angenommene Wirksamkeit nahm ab. Nur der Mund-Nasen-Schutz wurde weiterhin als wirksam gesehen und daher weiter getragen.

Vor allem das Halten des Abstands musste einstecken. In der zweiten Befragung fanden diese Maßnahme viel weniger Personen wirksam. Grund hierfür sind wahrscheinlich die sinkenden Infektionszahlen im Mai. Dadurch denken scheinbar viele, dass Social Distancing nicht so wichtig sei und Corona auch gar nicht gefährlich. Was jedoch beide Befragungen zeigen: Viele von uns setzen vor allem die Maßnahmen um, von denen wir glauben, sie schützen vor allem uns selbst. Hände waschen zählt daher wahrscheinlich zu den Maßnahmen, die am besten umgesetzt werden, wie auch das Hände desinfizieren oder der Mund-Nasen-Schutz. Zudem sind sie nicht aufwendig und man kann sie gut umsetzen.

Persönliche Erfahrungen motivieren

Ein weiterer wichtiger Punkt seien persönliche Erfahrungen mit Covid-19. Wer jemanden kennt, bei dem die Infektion glimpflich verlaufen ist, der hält sich auch weniger an Schutzmaßnahmen. Wenn man jedoch jemanden kennt, den es schwer erwischt hat oder der vielleicht sogar daran gestorben ist, der achtet eher auf die Maßnahmen und deren Umsetzung, um sich und andere zu schützen.

Der Rat der Wissenschaftler der Universität Bamberg ist daher, dass Politik und Medien vor allem den persönlichen Nutzen hervorheben sollten. Außerdem sollte mehr über persönliche Schicksale berichtet werden, um die möglichen Folgen einer Corona-Infektion zu verdeutlichen.


Quelle: Universität Bamberg



Marina Görtz ist Redakteurin in der Redaktion Medizin und Zahnmedizin des Deutschen Ärzteverlags.

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