Lebensmittel gesünder machen

Gesetzliche Zuckerreduktion gefordert

Besonders Getränke wie Softdrinks oder Smoothies enthalten oft deutlich mehr Zucker, als Verbraucher denken.

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Unsere Lebensmittel enthalten teilweise deutlich mehr Zucker, als sie überhaupt benötigen. Bisherige Vereinbarungen von Lebensmittelindustrie und -handel auf freiwilliger Basis scheinen nicht den gewünschten Effekt zu erzielen. Viele Verbände fordern nun eine gesetzlich geregelte Zuckerreduktion.

Anlässlich des 3. Deutschen Zuckerreduktionsgipfels, der Ende Oktober stattfand, wächst der Unmut über das Vorgehen der Politik in Sachen Zuckerreduktion bei Lebensmitteln und Getränken. Mehrere Verbände, darunter der AOK-Bundesverband, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), sehen keine nennenswerten Verbesserungen hinsichtlich der nationalen Reduktionsstrategie für Zucker, Fette und Salz. Sie fordern mehr.

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Wissenschaftliche Kontrolle

Die Politik solle gesetzliche Vorgaben anstoßen. Möglich sei eine Softdrink-Steuer auf zuckerhaltige Getränke, wie sie bereits in Großbritannien gilt und dort Erfolge zeigt. Bisher hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eine gesetzliche Obergrenze für Zucker, Salz und Fett in Fertiggerichten abgelehnt und stattdessen auf freiwillige Vereinbarungen gesetzt.

Demnach sollen Hersteller freiwillig den Anteil der Dick- und Krankmacher im Essen reduzieren. So sah es zumindest die von der Bundesregierung im Dezember 2018 gestartete „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie“ vor. Das Max-Ruber-Institut für Ernährung und Lebensmittel (MRI) soll diese Entwicklung engmaschig überprüfen. Anhand der Ergebnisse könne laut Klöckner ein eventueller weiterer Handlungsbedarf festgestellt werden.

Freiwillige Zuckerreduktion wenig sinnvoll

Die ehemalige Bundesernährungsministerin Renate Künast hält das für wenig sinnvoll. „Die Wissenschaftler sollen überprüfen, ob die Industrie Werte einhält, die sie sich selbst gegeben hat“, kritisierte sie das Vorgehen zur Zuckerreduktion beim 3. Deutschen Zuckerreduktionsgipfel. MRI-Präsident Prof. Pablo Steinberg stellte die ersten Ergebnisse der Überprüfung vor. Teilweise – besonders bei Kinderprodukten – habe die Industrie die Zuckeranteile stark gesenkt. Dennoch sei der Weg noch lang.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) unterstützt die Forderungen nach einer gesetzlich geregelten Zuckerreduktion. „Die wissenschaftliche Zahnmedizin unterstützt mit aller Kraft die Forderungen des 3. Deutschen Zuckerreduktionsgipfels für eine nationale Reduktionsstrategie für Zucker, Fette und Salz“, erklärt Prof. Dr. Roland Frankenberger (Uni Marburg), Präsident der DGZMK. Die wissenschaftliche Dachorganisation der zahnmedizinischen Fachgesellschaften und Arbeitskreise mit über 23.000 Mitgliedern sehe besonders bei Kindern und Jugendlichen die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen, die etwa vor häufig verdeckten Zuckergehalten in Speisen und Getränken warnen.

DGZMK plädiert für NutriScore

Erhöhter Zuckerkonsum erzeugt in der Mundhöhle nicht nur die Gefahr der Entstehung von Karies, auch Erkrankungen des Zahnhalteapparats und der Mundschleimhaut seien darauf zurückzuführen, betont die DGZMK in einem Statement. Die Folgekosten eines erhöhten Zuckerkonsums, etwa bei der Behandlung eines Diabetes mellitus, könnten reduziert werden, wenn die Verbraucher besser informiert seien. Die Einführung eines NutriScores sei hier ein richtiger und längst überfälliger Schritt. Die DGZMK unterstützt die Forderung des Zuckerreduktionsgipfels für die Einführung einer Softdrink-Steuer nach britischem Vorbild und wird sich künftig um stärkere Einbindung in die Aktivitäten des Deutschen Zuckerreduktionsgipfels bemühen.

 

Quelle: AOK, DGZMK



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