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Hämophilie und die Angst vor der Mundhygiene

Bei der Zahnpflege gehemmt

Hämophilie und die Angst vor der Mundhygiene

Die Angst vor möglichen Blutungen lässt viele Betroffene die Mundhygiene vernachlässigen.

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Die Angst vor einer Verletzung sitzt bei ihnen tief: Patienten mit Hämophilie, die sogenannte Bluterkrankheit, vernachlässigen einer aktuellen Studie nach ihre Mundhygiene. Dabei ist besonders für sie eine gute Zahnpflege nötig.

In der Zahnarztpraxis gehören Bluter zu den Risikopatienten. Denn ihre Blutgerinnung ist gestört und führt zu einer erhöhten Blutungsneigung, schon bei kleineren Verletzungen. Bei zahnärztlichen Behandlungen handelt es sich auch zum Teil um chirurgische Eingriffe, bei denen es zu Blutungen kommen kann. Dementsprechend müssen Behandlungen von Blutern geplant werden, um Komplikationen zu vermeiden.

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Zu wenig Zahnpflege

Doch nicht nur die Angst vor solchen Behandlungen ist ein Problem, sondern für viele Patienten mit Hämophilie die Mundhygiene selbst. Das zeigte eine aktuelle indische Studie, die im Special Care in Dentistry erschien. Insgesamt untersuchten die Forscher 33 Personen zwischen vier und 35 Jahren, wobei elf von ihnen die gesunde Kontrollgruppe bildeten und 22 Blutgerinnungsstörungen aufwiesen.

Etwa die Hälfte der Hamophiliepatienten beschrieb, dass sie Zahnfleischbluten haben, in der Kontrollgruppe waren es nur 18 Prozent. Außerdem putzt sich die Mehrheit der Bluter nicht öfter als einmal am Tag die Zähne, in der Kontrollgruppe tun dies zumindest 45 Prozent. Zur Analyse der Mundgesundheit zog das Forscherteam drei Aspekte heran: den DMFT, den Plaque- und den Mundhygiene-Index (OHI-S).

Angst vor zahnärztlichen Behandlungen

Beim DMFT konnten die Forscher zwischen den Gruppen keine signifikanten Unterschiede ausmachen. Der OHI-S war jedoch bei Hämophiliepatienten schlechter als in der Kontrollgruppe. Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse, dass Bluter insgesamt eine größere Angst vor zahnärztlichen Behandlungen haben (ca. 22 Prozent) als Patienten der Kontrollgruppe (null Prozent). Die Forscher vermuten hinter dieser Einstellung der Patienten mit Hämophilie zur Mundgesundheit, dass sie Angst vor Verletzungen haben und deswegen die Zahnpflege vernachlässigen.

Abschließend geben die Forscher zu bedenken, dass aufgrund der kleinen Untersuchungsgruppe weitere Studien in diesem Bereich nötig seien. Sie sagen jedoch auch, dass es zwischen den untersuchten Gruppen keine signifikanten Unterschiede für die Notwendigkeit zahnärztlicher Behandlungen gab. Dementsprechend könnten auch Patienten mit Hämophilie eine gute Mundhygiene praktizieren, wenn sie regelmäßig Prophylaxeangebote in Anspruch nehmen und interdisziplinär betreut werden.

 

Quelle: Kumar M, Pai KM, Vineetha R, Kurien A. Oral hygiene and dentition status in patients with congenital hemorrhagic disorders: a comparative study. Pesqui Bras Odontopediatria Clín Integr. 2020; 20:e5392. https://doi.org/10.1590/pboci.2020.06

Kanjani, V., Annigeri, R. G., Hanagavadi, S., & Manjunath, M. R. (2020). Comparative analysis of oral health and treatment necessities in hemophilia individuals of Davangere population – A case control study. Journal of family medicine and primary care, 9(9), 4774–4777. https://doi.org/10.4103/jfmpc.jfmpc_413_20



Online-Redakteurin im Deutschen Ärzteverlag. Schreibt für die zahnmedizinischen Webportale und Social-Media-Kanäle.

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