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Implantat: Wie sieht die richtige Pflege aus?

Implantatprophylaxe

Implantat: Wie sieht die richtige Pflege aus?

Zahnimplantate erfreuen sich nach wie vor auch bei deutschen Patienten einer hohen Beliebtheit. Sie sind mittlerweile selbst bis ins hohe Alter eine Versorgungsalternative. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten: Implantate brauchen besondere Pflege und sind besonderen Risikofaktoren ausgesetzt. Aber was ist besondere Pflege, geht sie über die Pflege von natürlichen Zähnen hinaus? Und wie oft ist sie erforderlich?

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Ein strukturiertes effektives Nachsorgekonzept ist als individueller und risikoorientierter Prozess zu verstehen, der gut ausgebildete, qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen benötigt. Das Wissen um die Besonderheiten und das Verständnis für die Bedeutung dieses Konzepts sind auf Behandlerseite zwingende Voraussetzung, um die Gefahr von Implantatverlusten zu minimieren.

Qualifikationen der Behandler differieren

In der Regel werden die Prophylaxemaßnahmen delegiert. Prophylaxebehandlungen bei Implantatpatienten werden häufig jedoch sehr unterschiedlich durchgeführt und sind sehr unterschiedlich organisiert. Die Qualifikationen der Behandlerinnen differieren zudem sehr stark. „Ziel muss es sein, den Patienten eine bestmögliche und qualitätsorientierte Implantatnachsorge anzubieten, um Risiken und entzündliche Prozesse frühzeitig zu erkennen, zu therapieren und so die Basis für den langfristigen Erhalt des Implantats zu gewährleisten“, sagt Sylvia Fresmann, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Dentalhygienikerinnen (DGDH).

Während der Nachsorge sei insbesondere die Übergangsstelle des Implantats von der Mundhöhle in den Kieferknochen eine Problemzone, der besondere Aufmerksamkeit zu widmen sei. Dort sehen Experten einen Angriffspunkt für Bakterien, was im ungünstigsten Falle sogar zum Verlust des Implantats führen kann. Um diese Gefahr zu bannen, ist von Anfang an ein professionelles Prophylaxekonzept in enger Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Prophylaxefachkraft konsequent umzusetzen.

Erste Maßnahmen

Um die Bakterienzahl in dieser Problemzone im Griff zu halten, ist nach erfolgter Insertion konsequent die vor dem chirurgischen Eingriff durchgeführte Keimzahlreduzierung mit antibakteriellen Spüllösungen weiter fortzuführen. Fresmann: „Entzündliche Prozesse werden dadurch vermieden und die Wundheilung begünstigt.“ Der Patient sollte zudem in ein engmaschiges Recall eingebunden werden. Inhalt, Ablauf und Sinn dieser Maßnahme sind mit dem Patienten bereits vor der OP zu besprechen und konkrete Termine mit ihm zu vereinbaren. Laut Prophylaxeexpertin Fresmann ist die Compliance des Patienten mitentscheidend für den Behandlungserfolg und die Lebensdauer des Implantats.

Nach dem Eingriff erfolgen im Abstand von je einer Woche zwei zahnärztliche Kontrollen der Implantate und der prothetischen Versorgung inklusive Wund- und Schmerzversorgung. Verbunden ist damit eine Kontrolle der Mundhygiene mit Entfernung des Biofilms und einer CHX-Applikation sowie eine Motivation/Remotivation des Patienten. „Eine Reinigung der von der Operation betroffenen Areale per Zahnbürste ist allerdings unmittelbar nach dem Eingriff wegen der Empfindlichkeit der Wunde noch nicht sinnvoll.“ Zur Verhinderung einer frühzeitigen Besiedelung der Implantatoberfläche und der Wunde mit parodontalpathogenen Bakterien aus oralen Nischen (Zunge, Tonsillen, Zähne) wird in diesen Bereichen antibakterielles Gel (z. B. CHX-Gel 1 %) eingesetzt.

Speziell in diesem Stadium der Behandlung muss der Patient überzeugt werden, dass seine konstante Mitarbeit (optimale häusliche Mundhygiene) in Verbindung mit regelmäßigen Maßnahmen in der Zahnarztpraxis Grundlage für den langfristigen Erhalt seines Implantats ist. „Nachlässigkeiten und individuelles Risikoverhalten wie Rauchen können zu einer Periimplantitis, dem Risikofaktor Nr. 1 für das Implantat, führen, was letztlich zum frühzeitigen Verlust der hochwertigen Versorgung führen kann“, sagt Fresmann.

Recall

Die vollständige Einheilung des Implantats (Osseointegration) kann bis zu sechs Monate und länger dauern. Aus diesem Grund empfiehlt die Dentalhygienikerin, den Patienten als Hochrisikopatienten in den folgenden zwei Jahren alle drei Monate einzubestellen. Danach können die Recallintervalle abhängig vom individuellen Risiko des Patienten festgelegt werden.

„Behandlungserfolg und Heilungsfortschritt müssen zwingend in regelmäßigen Abständen überprüft werden, um Störungen zu erkennen und um rechtzeitig intervenieren zu können“, empfiehlt Fresmann. Während des Recalls wird schwerpunktmäßig eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt, um Biofilm und Zahnstein zu entfernen.

Professionelle Prophylaxesitzung

Anhand des Recalls wird die Struktur des Konzepts deutlich. Der Patient durchläuft wiederkehrend die nachfolgend aufgeführten Phasen einer professionellen Prophylaxesitzung. Je nach individuellem Befund werden Schwerpunkte gesetzt, die Sitzung kann mehr als 60 Minuten dauern.

Zum Start der Sitzung spült der Patient zunächst mit 0,2%iger CHX-Lösung für eine Minute, um die Keimzahl in der Mundhöhle und im Aerosol zu reduzieren. Dies trägt u. a. zur Sicherheit der Behandler bei (Schutz vor Infektionen), und der Patient erfährt sofort ein angenehmes und erfrischendes Gefühl.
Nach der zahnärztlichen Untersuchung beginnt die Prophylaxeassistentin mit den weiteren Arbeitsschritten. Alle Indizes sowie für die Mundgesundheit wichtige Parameter des Patienten (z. B. individuelles Risikoverhalten, Allgemeinerkrankungen, veränderte Medikation etc.) werden aussagekräftig und umfassend dokumentiert. Fresmann: „Eine solche Dokumentation erleichtert die weitere Behandlungsplanung und gewährleistet eine systematische Organisation des Recalls.“

Nach Anamnese und Befunderhebung wird der Patient über den weiteren Behandlungsablauf aufgeklärt und unter Berücksichtigung seiner Möglichkeiten individuell beraten.

Reinigung

Die anschließende Reinigung erfolgt unter dem kombinierten Einsatz von Handinstrumenten (Scaler, Küretten) und maschinellen Verfahrensweisen (Ultraschall-, Schallgeräte, Airflow etc.). „Die Ansätze der Ultraschall- und Schallgeräte sowie Handinstrumente sollten aus Kunststoff, Karbon oder Titan bestehen. Die empfindlichen Implantatoberflächen sind dadurch vor Beschädigungen geschützt“, betont die Prophylaxeexpertin. Kratzer und Rauigkeiten auf den Implantatoberflächen sind Prädilektionsstellen für Bakterienbesiedelung und müssten unbedingt vermieden werden.

Maschinelle Verfahrensweisen mit modifizierten Ansätzen für Implantate bieten eine Reihe von Vorteilen, können laut Fresmann den Einsatz von Handinstrumenten aber nicht komplett ersetzen. Weiterhin ist eine Pulver-Wasserstrahl-Anwendung sinnvoll. „Wichtig ist dabei, dass nur mit minimalabrasivem Glycinpulver gearbeitet und eine für diesen Einsatzbereich besondere Düse verwendet wird.“

Sowohl Handinstrumente als auch maschinelle Verfahrensweisen erfordern zwingend umfassende Kenntnisse der eng umgrenzten Indikation im Implantatbereich und fundiertes Wissen über Kontraindikationen. „Der schmale Grat zwischen optimaler Reinigung ohne Substanzveränderung der Implantatoberfläche und der Gefahr erheblicher Beschädigungen bei unsachgemäßer Anwendung muss jeder Prophylaxeassistentin bewusst sein“, so Fresmann.

Politur und Fluoridierung

Mit der abschließenden Feinpolitur wird die erneute Plaqueanlagerung an den glatten Implantatoberflächen gehemmt. Spezielle Zahnseide oder Interdentalbürstchen komplettieren die Zahnzwischenraumreinigung. Die Zunge wird mit einem speziellen Zungenreiniger und Zungen-Gel gereinigt und im letzten Schritt werden die Zähne mit einer Intensivfluoridierung behandelt.



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