Existenzängste und mangelnder Gesundheitsschutz

Wachsende Sorge um ZFA in der Krise

Ob Kurzarbeit, Kündigung oder finanzielle Probleme: ZFA plagen durch die Corona-Krise Existenzängste.

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Der Gesundheitsschutz hat im Moment oberste Priorität. Der Verband medizinischer Fachberufe e.V. sorgt sich deshalb auch um die Gesundheit und die Zukunft der mehr als 600.000 Medizinischen und Zahnmedizinischen Fachangestellten (MFA und ZFA) während der Corona-Krise. In einem Brief hat er sich an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und die Ministerpräsidenten der Länder gewandt.

In Zeiten der Corona-Pandemie stellen sich ZFA einer besonderen Herausforderung. Sie und MFA halten das Gesundheitswesen funktionstüchtig und wichtige Versorgungsstrukturen aufrecht. Es gibt dabei drei Probleme, auf die der Verband medizinischer Fachberufe e.V. hinweist.

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1. Relevanter Personalmangel trifft ZFA direkt

Laut RKI-Empfehlungen sollen möglichst viele Patienten im ambulanten Bereich versorgt werden, um die Kliniken zu entlasten. Bei einem relevanten Personalmangel kann die Versorgung der Patienten nicht gewährleistet werden. Der Verband fordert, dass die Entscheidung, ob ein relevanter Personalmangel vorliegt oder nicht, vom Gesundheitsamt getroffen werden sollte und nicht vom Arbeitgeber. Außerdem appellierte der Verband bereits an die Arbeitgeber von Zahnarzt- und Arztpraxen, die Praxisabläufe zu ändern. Kontakte sollten auf wirklich wichtige Behandlungen beschränkt werden, damit auch Infektionsketten in der Praxis unterbrochen werden.

2. Corona: ZFA genügend geschützt?

Ein zweites Problem ist die Gesundheitsgefährdung durch fehlende Schutzausrüstung (Mund-Nasen-Schutz, Schutzbrille, Handschuhe). Diese betreffe ZFA und MFA gleichermaßen. Beide sind im direkten Patientenkontakt besonderen Risiken ausgesetzt. Mitarbeiter/innen, die selbst zur Risikogruppe gehören, sollten besonders geschützt werden. Arbeitgeber mit Kontakt zu einem COVID-19-Infizierten gefährden dadurch auch ihre ZFA und MFA, wenn sie den Arbeitsschutz nicht anpassen. In Einzelfällen bewegen sich die Arbeitgeber an der Grenze zu grob fahrlässigem Verhalten.

3. Finanzielle Probleme

Auch die finanziellen Auswirkungen stellen laut Verband ein Problem dar. Zwar begrüßt der Verband die aktuellen Maßnahmen zur Kurzarbeit und das Corona-Sozialschutz-Paket, aber die dort verankerten zusätzlichen Mittel sollten auch bei den ZFA ankommen und für besondere Leistungszulagen genutzt werden.



Im Moment sind Zahnärzte und ZFA nicht im Corona-Sozialschutz-Paket berücksichtigt. Dies trifft voraussichtlich 200.000 ZFA bundesweit, die gemäß Entgeltatlas der Agentur für Arbeit durchschnittlich 2.040 Euro brutto im Monat verdienen und damit unterhalb der Niedriglohnschwelle liegen. Wenn eine ZFA im Fall von Kurzarbeit nur 60 Prozent (bzw. 67 Prozent mit Kind) vom Netto-Gehalt erhält, reicht dies nicht für die Grundbedürfnisse, wie Lebensmittel, Miete, etc. Weniger von wenig ist zu wenig zum Überleben und bereitet vielen ZFA schlaflose Nächte und Existenzängste.

Angst vor Kündigung oder Lohnausfall

Der Verband erklärt, dass einige Arbeitgeber ihrer Mitglieder das Beschäftigungsverhältnis kündigen oder die Mitarbeiter bezüglich der Kurzarbeit unter Druck setzen. In den meisten Zahnarztpraxen ist das Instrument der Kurzarbeit nicht bekannt. Arbeitgeber scheuen laut Verband den zusätzlichen Aufwand und wählen die Kündigung, was im Kleinbetrieb aufgrund des fehlenden Kündigungsschutzes machbar ist.

„Wir betrachten dies mit großer Sorge, denn unsere Mitglieder sind überwiegend Frauen – auch alleinerziehend – und leiden unter Existenzängsten. Bei weiteren Rettungsmaßnahmen sollte daher über eine Entgeltersatzleistung nachgedacht werden, die Lohnausfälle besonders in systemrelevanten, aber gering bezahlten Berufen ausgleicht. Außerdem sollten Zulagen für diese Berufe nicht nur steuerfrei sein, sondern es sollte sichergestellt werden, dass sie flächendeckend bei den systemrelevanten Berufen ankommen“, so der Verband.

Quelle: Verband medizinischer Fachberufe e.V.



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