Fluorid-Symposium gibt wichtige Antworten

Fluorid: Gift oder Geschenk?

Etwa 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren beim Fluorid-Symposium in Sindelfingen dabei.

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„Fluoride sind gut für die Zähne – Fluoride brauchen wir gar nicht – Fluoride sind Gift – Wir brauchen mehr Fluorid – Die Verwirrung ist groß! Was stimmt denn nun?“ Diese Fragen wurden beim Fluorid-Symposium in der Stadthalle Sindelfingen beantwortet.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Johannes Einwag informierten die namhaften Referenten die rund 300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen zum spannenden Thema Fluoride. Neben Einwag kamen auch Prof. Dr. Adrian Lussi (Bern), Prof. Dr. Elmar Hellwig (Freiburg) und Prof. Dr. Dr. Katrin Bekes (Wien) zu Wort und klärten die rund 300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf. Auch DENTAL team war vor Ort und hat die wichtigsten Antworten für Euch:

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Wie wirken Fluoride?

Durch den direkten Kontakt mit den Zähnen beugen Fluoride Karies wirksam vor. Das heißt:

  • Sie erhöhen den Widerstand des Zahnschmelzes gegen Säuren.
  • Sie verlangsamen die Entkalkung des Zahnschmelzes, die von den Säuren der Plaquebakterien verursacht wird.
  • Sie verringern die Aggressivität der Bakterien in den Belägen.
  • Sie verringern die Haftung der Bakterien am Zahn.
  • Sie fördern die Wiedereinlagerung von Mineralien aus der Mundflüssigkeit im bereits entkalkten Zahnschmelz, sodass eine beginnende Karies gestoppt, ja sogar rückgängig gemacht werden kann.

Wo finde ich einen Nachweis dafür, dass Fluoride von Nutzen sind?

In Aufklärungsbroschüren zu Fluorid der Bundeszahnärztekammer, der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und der Fachgesellschaften für Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde, außerdem in allen Lehrbüchern der Zahnmedizin.

Im Internet steht aber: Schon geringe Mengen an Fluorid schädigen das Hirn, die Niere und die Schilddrüse!

In der Tat gibt es Studien, in denen – unter extremen Bedingungen – sogar Organ-/Weichgewebsschäden durch Fluoride vermutet werden. Im Unterschied zur Dentalfluorose oder Knochenfluorose, für die ein ursächlicher Zusammenhang zwischen erhöhter Fluoridzufuhr und Nebenwirkung eindeutig nachgewiesen wurde, stehen Fluoride als Auslöser von Schädigungen von Organen nach wie vor in der Diskussion.

Unabhängig davon: Die Fluoridkonzentrationen, die im Zusammenhang mit entsprechenden Beobachtungen registriert wurden, liegen in Größenordnungen, die bei Fluoridanwendungen im Rahmen der Karies-/Erosionsprophylaxe bei Weitem nicht erreicht werden.

Was passiert, wenn man zu viel Fluorid verwendet?

Das kommt drauf an! Grundsätzlich sind akute und chronische Nebenwirkungen zu unterscheiden. Symptome einer akuten Fluoridvergiftung sind unter anderem:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Parästhesie

Die Symptome können ab 0,3 mg Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht auftreten. Als wahrscheinlich toxische Dosis wird ein Wert von 5 mg Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht angegeben. Dies entspricht bei einer erwachsenen Person, die 70 Kilogramm wiegt, 350 mg Fluorid (in etwa drei bis vier Zahnpasta-Tuben).

Symptome einer chronischen Fluoridvergiftung treten in Form einer Dentalfluorose auf. Die Gefahr von klinisch relevanten Dentalfluorosen besteht bis zum Alter von sechs bis sieben Jahren, da bis dahin alle bleibenden Zähne im sichtbaren Bereich mineralisiert sind. Somit ist bis zu diesem Alter die Fluoridnutzung besonders sorgfältig zu kontrollieren.

Sind die Risiken für Überdosierungen geringer bei Verwendung von Zahnpasta oder Tabletten?

Bei korrekter Anwendung besteht kein Risiko einer Überdosierung! Die Dosis der Fluoridtabletten (0,25 mg; 0,5 mg; 1 mg) ist vorgegeben – ein Risiko bestünde nur, wenn mehrere Tabletten auf einmal verabreicht würden oder eine „falsche Tablette“ (beispielsweise 1 mg anstelle von 0,25 mg) zum Einsatz käme.

Ähnliches gilt für fluoridhaltige Kinderzahnpasten: Ein Risiko für Überdosierung besteht dann, wenn die Kinder die Zahnpasta verschlucken beziehungsweise aufgrund des „guten Geschmacks“ größere Mengen ganz bewusst „essen“. Die Empfehlungen der Fachgesellschaften zur Dosierung von Zahnpasta für Kinder sollten daher unbedingt eingehalten werden.

Darf man in der Schwangerschaft fluoridhaltige Produkte zu sich nehmen?

Selbstverständlich darf die schwangere Patientin fluoridhaltige Produkte anwenden! Sie nützen sowohl der Mutter (Kariesprophylaxe und Erosionsschutz) als auch dem Kind (Entwicklung des Knochens und der Zähne)! Die allgemeine Entwicklung des Kindes wird dadurch nicht negativ beeinträchtigt!

Ab wann dürfen Kinder fluoridhaltige Zahnpasta benutzen?

Ab dem Durchbruch der ersten Milchzähne.



Lexikon



Florian Teichert ist seit November 2017 als Volontär in der Redaktion Zahnmedizin des Deutschen Ärzteverlags tätig und hier insbesondere für redaktionelle Inhalte von DENTAL team sowie den Onlineauftritt mit verantwortlich.

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