So sind Behandlungen trotzdem möglich

Prophylaxe und Corona: Wie geht das?

In Corona-Zeiten sollte in der PZR mit Handinstrumenten gearbeitet werden.

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Prophylaxe in Corona-Zeiten – ist das möglich? Ja, sagt die Expertin DH Heike Wilken. Wenn die Prophylaxebehandlung angepasst wird und einige wichtige Hygienebestimmungen umgesetzt werden. Wie das genau aussehen könnte, erzählt sie uns im Interview.

Frau Wilken, behandeln Sie in Corona-Zeiten Patienten in der Prophylaxe?

DH Heike Wilken: Gerade in der Prävention gegen COVID-19 ist eine gute Mundhygiene sowie eine gesunde Mundhöhle wichtiger denn je. Die Mundhöhle stellt eine Barriere gegen die Viren dar. Deshalb versuchen wir die Prophylaxe- und die parodontalen Nachsorgetermine (UPT) kontinuierlich weiter umzusetzen. Gerade parodontal erkrankte Patienten sollten durch uns weiterhin begleitet werden, da ja überhaupt nicht klar ist, wie lange die Einschränkungen durch COVID-19 andauern. Zu Beginn der Coronakrise haben wir kaum Termine gemacht. Mittlerweile prüfen wir wochenweise, ob die Patienten ihre vereinbarten Termine wahrnehmen möchten.

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Was wären Gründe für den Verzicht?

Wilken: Älteren Patienten mit systemischen Erkrankungen, die keine starken parodontalen Probleme haben, empfehlen wir erst einmal auf die Prophylaxe zu verzichten und einen späteren Termin zu vereinbaren. Wir wollen verhindern, dass sich Risikopatienten anstecken.

Welche Rolle spielen die Aerosole?

Wilken: Wird ein Aerosol durch den Einsatz von maschinellen Geräten produziert, so kann es mehrere Meter weit getragen und bis zu 30 Minuten in der Raumluft nachgewiesen werden. Zum vorbeugenden Gesundheitsschutz empfehlen Robert Koch-Institut und Bundeszahnärztekammer, auf die Entstehung und Verbreitung von Aerosolen zu verzichten.

Wie funktioniert das?

Wilken: Wir behandeln ausschließlich mit Handinstrumenten und verzichten bei der Biofilmentfernung auf die Aerosol produzierenden Geräte wie Schall- und Ultraschallinstrumente sowie Pulver-Wasserstrahlgeräte.

Nehmen die Patienten die Prophylaxe überhaupt in Anspruch?

Wilken: Natürlich erklären viele Patienten, dass sie eigentlich gar nicht zur Prophylaxe kommen wollten. Sie haben auch schon von Aerosolen in Verbindung mit Corona gehört. Wenn wir ihnen erklären, dass wir nur mit Handinstrumenten arbeiten und bei der Politur nur kurz und ohne Wasser arbeiten, sind sie aber deutlich beruhigter und schicken im Anschluss auch schon mal ihren Partner zu uns.



Diese Form der Behandlung muss doch deutlich anstrengender sein, oder?

Wilken: Das stimmt. Nur mit Handinstrumenten ist es für uns anstrengender. Nicht nur das. Die Prophylaxesitzung dauert auch länger, als es bei einer Kombination aus Handinstrument und maschineller Reinigung wäre. Aber darauf müssen wir uns einfach einstellen. Wir haben die Länge der Sitzungen auch entsprechend angepasst.

Wie haben Sie die Schutzausrüstung auf die neuen Umstände angepasst?

Wilken: Wir arbeiten natürlich mit FFP2-Masken, einer Schutzbrille sowie einem Schutzvisier. Sobald es in der Behandlung zur Politur kommt, erhält auch der Patient eine Schutzbrille, damit wir ganz sicher gehen können.

Wie kann man das Infektionsrisiko für Patienten und Behandler weiter minimieren?

Wilken: Einen Tag vorher rufen wir alle Patienten, die einen Termin haben, an und klären, ob sie diesen wahrnehmen. Zeitlich organisieren wir die Termine so, dass eigentlich nie mehr als zwei Patienten gleichzeitig im Wartebereich sind. Bestenfalls geht der Patient direkt ins Behandlungszimmer. Aus dem Wartezimmer haben wir zudem die Zeitschriften, Getränke und die Hälfte der Stühle entfernt. Generell gilt auch bei uns in der Praxis Mundschutzpflicht. Außerdem sollen sich die Patienten am Eingang direkt die Hände desinfizieren. Vor der Behandlung spülen die Patienten auch eine Minute mit einer antiseptischen Lösung. Außerdem lege ich alle benötigten Instrumente und Materialien auf das Tray, um unnötige Infektionsbarrieren zu vermeiden.



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