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Tipps zum Ablauf der Paro-Initialtherapie

PZR, Kürettage, Parodontalstatus

Tipps zum Ablauf der Paro-Initialtherapie

Die Initialbehandlung in der Parodontitis-Therapie setzt sich aus verschiedenen Schritten zusammen, unter anderem auch der Kontrolle der häuslichen Mundhygienemaßnahmen.

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Die Parodontitisbehandlung beginnt immer mit einer Initialtherapie. Wie viele Sitzungen dafür notwendig sind und wie die Initialtherapie konkret abläuft, hängt von verschiedenen Faktoren ab. DH Christine Gradewald erklärt Dir, worauf Du achten musst.

Bei der ersten Sitzung erfolgt zunächst die Unterweisung in einer optimalen häuslichen Mundhygiene. Dafür hat sich die Dreifachprophylaxe bewährt. Diese umfasst die mechanische Reinigung der Zähne mittels Handzahnbürste oder einer elektrischen Zahnbürste, die Interdentalraumpflege mittels Interdentalbürste, Zahnseide o. Ä. und das abschließende Spülen mit einer antibakteriellen Mundspülung mit ätherischen Ölen wie z. B. Listerine. Durch die ätherischen Öle Thymol, Eukalyptol, Menthol und Methylsalicylat wird der Biofilm positiv beeinflusst.

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Auf individuelle Mundhygiene und Fehler achten

Laut aktuellen Studien hat die elektrische Zahnbürste gegenüber der Handzahnbürste Vorteile bei der Belagentfernung. Mit der richtigen Putztechnik und Putzdauer können mit einer Handzahnbürste aber fast genauso gute Ergebnisse erzielt werden wie mit einer elektrischen. Die besten Ergebnisse bei der Zahnzwischenraumpflege werden mit der Interdentalbürste erzielt. Wichtig ist generell, dass der Patient die Mundhygieneprodukte verwendet, die er am besten einsetzen kann. Bereits während der Initialbehandlung sollte der Einsatz der Mundhygieneprodukte gezeigt werden; im Anschluss kann der Patient Dir dann seine Anwendung demonstrieren, damit Du eventuell vorhandene Fehler aufdecken und korrigieren kannst.

Nach der Mundhygieneschulung schließt sich eine Professionelle Zahnreinigung an.

Zahnärztliche Behandlung vor der geschlossenen Kürettage

Bevor die eigentliche geschlossene Kürettage und das Scaling stattfinden können, sollten zudem noch notwendige zahnärztliche Maßnahmen, allerdings getrennt von den Reinigungsmaßnahmen, stattfinden. Dazu zählen unter anderem die Extraktion von hoffnungslosen Zähnen, ggf. eine Schienung von Zähnen mit erhöhtem Lockerungsgrad, endodontische Behandlungen (z. B. Endo-Paro-Läsion), die Versorgung kariöser Läsionen und insuffizienter Restaurationen. Ebenso sollten iatrogene (durch therapeutische Maßnahmen verursachte) Reize beseitigt werden, etwa von überstehenden Füllungs- und Kronenrändern, oder die Politur von unpolierten Füllungen durchgeführt werden.

Zweite Initialtherapie

Nach ungefähr vier Wochen erfolgt die zweite Initialtherapie. Der Abstand ist wichtig, denn nur so kann man herausfinden, ob der Patient auch langfristig gut mitarbeitet. Meistens sind die Patienten nach dem Zahnarztbesuch noch hoch motiviert. Nach einer gewissen Zeit schleicht sich jedoch der Alltag wieder ein.

Bei der zweiten Sitzung erfolgt eine Nachreinigung, weil es meistens bei der Erstreinigung zu stark blutet und infolgedessen die Sicht eingeschränkt ist. Dabei wird erneut der Plaqueindex und Blutungsindex aufgenommen, um die Befunde mit denen der ersten Sitzung vergleichen zu können. Die Werte bei dem Blutungs- und Plaqueindex sollten unter 30 Prozent liegen.

Ist die Compliance nicht zufriedenstellend, erfolgt eine weitere Initialtherapie-Sitzung. Zudem wird mit dem Patienten besprochen, wie er mit den empfohlenen Mundhygieneartikeln zurechtkommt.

Parodontalstatus-Erhebung

Zwei Wochen nach der zweiten Sitzung erfolgt die Erhebung eines Parodontalstatus. Dabei werden die Sondierungstiefen (Sechs-Punkt-Messung), Gingivaverlauf (Rezession), Beweglichkeit und Furkationsbefall aufgenommen. Mithilfe eines Befund- und Dokumentationsprogramms kann man die Befunde ganz einfach mit einem iPad oder Headset eintragen, ohne dass Zettel und Stift oder sogar eine Assistenz benötigt wird.

Nach der Erhebung des Parodontalstatus wird – vorausgesetzt, due Genehmigung des Behandlungsplanes liegt vor – das subgingivale Debridement.  Dieses sollte innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen sein. So verhindert man eine Reinfektion bereits gereinigter Stellen von noch nicht bearbeiteten Taschen. Die Wurzeloberflächenreinigung wird mithilfe von Hand-, Schall- oder Ultraschallinstrumenten durchgeführt. Wichtig: Vor der Kürettage muss der Behandlungsplan von der Krankenkasse genehmigt werden.

Die Reevaluation findet nach ca. drei Monaten statt.



DH Christine Gradewald

angestellt in der Zahnarztpraxis Rüdiger Engel in Mühlacker und seit 2015 auch als Praxistrainerin aktiv.

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